Anatomie von Hornmilben

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Diese Seite gibt eine kurze Einführung in die Anatomie von Hornmilben (Unterordnung Oribatida der Ordnung Sarcoptiformes). Hier sollen vor allem die Fachbegriffe erklärt werden, die in diesem Wiki immer wieder Verwendung finden.

Körperbau einer primitiver Hornmilbe, dorsale Seite
Körperbau einer primitiver Hornmilbe, ventrale Seite
Körperbau einer ptychoiden Hornmilbe, laterale Seite
Körperbau einer ptychoiden Hornmilbe, ventrale Seite

Äußere Anatomie

Der Körper von Hornmilben ist 110 bis 3000 μm lang, meist aber 300 bis 900 μm. Die Körper von Milben sind sehr variabel geformt, aber charakteristisch für bestimmte Taxa. Die Körper sind meist dorsoventral abgeflacht, selten zylindrisch (Holonota) oder seitlich abgeflacht (Ptyctima). Hornmilben haben meist einen den ganzen Körper schützenden Panzer, nur die primitiven Formen haben Teilschilde. Bei höher entwickelten Hornmilben ist die ventrale Seite ebenfalls vollständig gepanzert, mit nur zwei getrennten Teilen – diese sind das genitale und anale Plattenpaar, die die Genitalöffnung und die Analöffnung schützen.

Die Körperteile sind die folgenden (mit Abkürzungen auf den Bildern):

Sejugale Furche (sej): Furche, die das Proterosoma und Hysterosoma trennt.

Dorsosejugale Furche (dsj): dorsaler Teil von der sejugalen Furche, zwischen Prodorsum und Notogaster.

Disjugale Furche (disj): Furche zwischen pleuraler Region und 3-4. Coxae.

Abjugale Furche (abj): Furche zwischen pleuraler Region und 1-2. Coxae.

Prosoma: vorderer Körperteil mit den vier Beinpaaren. Untergliedert in Gnathosoma, Prodorsum und Podosoma.

Proterosoma: vorderer Körperteil mit den zwei vorderen Beinpaaren. Untergliedert in Gnathosoma, Prodorsum und Propodosoma.

Aspis: das Prodorsum der ptyhoiden Hornmilben wird Aspis genannt; dieser Körperteil sieht wie ein Kopf aus, aber es ist mit dem Prodorsum anderer Hornmilben homolog. Bei vielen Arten ist es bewegbar oder auch zum Körper zuschließbar.

Hysterosoma: hinterer Körperteil mit den zwei hinteren Beinpaaren.

Opisthosoma: hinterer Körperteil ohne Beine.

Camerostoma: vorderer Erker des Körpers, der die Mundwerkzeuge umfasst.

Podosoma: vorderer ventraler Körperteil mit den vier Beinpaaren.

Propodosoma: vorderer Teil des Podosoma mit den zwei vorderen Coxae.

Metapodosoma: hinterer Teil des Podosoma mit den zwei hinteren Coxae.

Notogaster: oberer Körperteil, der die sechs vorderen Segmente des Opisthosoma umfasst.

Epimerale Region: die epimerale oder coxosternale Region ist der Teil der ventralen Platte, der mit den Beinen I-III verbunden ist und bis zur Genitalöffnung reicht. Die Epimeren (ep1-4) sind die mit den Beinen assoziierten Felder der epimeralen Region. Die Epimeren sind von epimeralen Furchen getrennt, die Fortführungen haben: diese sind die muskulare Einschübe, die Apodemen heißen. Sie werden ap1-4 bezeichnet. Bei der sejugalen Furche gibt es eine sejugale Apodeme (ap.sej.). Die sternale Apodeme (ap.st.) ist längslaufend zwischen den dritten und vierten Epimeren.

Anogenitalische Region: ventrale Körperseite, umfasst die genitale (ge), aggenitale (ag), anale (an), adanale (ad) und ventrale Platte. (Balogh J. & S. Mahunka 1980) (Woolley T. A. 1988)

Segmente

Die Hornmilben können auf eine hypothetische urzeitliche Form zurückgeführt werden. Diese hat 11 Segmente. Die ersten acht Segmente sind schon bei Larven zu finden, die letzten drei sind oder können nur bei späteren Entwicklungsstadien vorkommen. Die acht larvalen Segmente sind die folgenden: A, B, C, D, E, F, H, PS. Der Buchstabe G ist für das genitalische Segment reserviert, und PS steht für das pseudoanale. Die drei postlarvalen Segmente sind die folgenden: adanale (AD), anale (AN) und peranale (PA) Segmente. Die Segmente AD, AN und PA (wenn es solche gibt) sind bei fast allen Hornmilben an der ventralen Seite und formen mit der genitalen Region zusammen die anogenitalische Region. (Balogh J. & S. Mahunka 1980)

Haare

Die Haare sind für Bestimmung und Taxonomie von Hornmilben sehr wichtig. Alle Segmente tragen 1 bis 4 Paare von Haaren. Diese sind mit kleinen Buchstaben und Index-Ziffern bezeichnet: der Buchstabe steht für das Segment, und die Haare werden von 1 bis 4 durchnummeriert; die der Körpermitte nächsten bekommen die Nummer 1.

Die folgenden Bezeichnungen sind üblich: a1=ro (rostrale Haare), a2=le (lamellare Haare), a3=exa (vordere exostigmatale Haare), b1=in (interlamellare Haare), b2=ss (Sensillus), b3=exp (hintere exostigmatale Haare).

Die Haare an den Segmenten 3-11 sind die folgenden: C: c1, c2, c3, cp. D: d1, d2. E: e1, e2. F: f1, f2. H: h1, h2, h3. PS: ps1, ps2, ps3. AD: ad1, ad2, ad3, (ad4). AN: an1, an2, an3, (an4). PE: pa1.

Die Segmente 4-10 tragen die sogenannten Rissorgane (Lyrifissurae), von denen die Tiere 7 oder weniger Paare haben. Ihre Lage und Bezeichnung: D: ia; E: im; F: ip; H: ih; PS: ips; AD: iad; AN: ian. (Balogh J. & S. Mahunka 1980) (Woolley T. A. 1988)

Mundwerkzeuge

Bei Hornmilben enthält das Gnathosoma die Mundwerkzeuge, dieses schmiegt sich in das Camerosoma. Das Mentotectum schützt das Gnathosoma von der epimeralen Seite. Der basale Teil des Gnathosoma heißt Infracapitulum. Das besteht aus folgenden Teilen: das Mentum (Kinn; basal), Cervix (Halsregion; dorsal), die paarige Genae (Schnauzen; lateral), und die sogenannte Pseuo-Mandibulae (Rutellum), die von Haaren stammen, und an der Spitze der Genae zu finden sind. Das Gnathosoma enthält die Mundöffnung, Cheliceren, Labium und Pharynx. Die bisher erwähnten Mundwerkzeuge können verwachsen oder mit Gelenken verbunden sein.

Die Mundwerkzeuge der Hornmilben sind taxonomisch auch wichtig. Wichtige Merkmale sind das labiogenale Gelenk (zwischen Mentum und Genae) (ob es solche gibt oder nicht), und die Form des Mentum und Rutellum. Vier Typen sind nach diesen Merkmalen bezeichnet. (Balogh J. & S. Mahunka 1980)+

Beine

Hornmilben haben 4 Laufbeinpaare. Diese sind über Acetabulae mit dem Körper verbunden und bestehen meistens aus 5 Segmenten: Trochanter, Femur, Genu, Tibia, Tarsus. Bei einigen Hornmilben gibt es zwei Femora, und die Coxae sind nicht mit dem Körper verwachsen. (Balogh J. & S. Mahunka 1980)

Pteromorphen

Viele hochentwickelte Hornmilben (z.B. Galumnidae) haben lamellenähnliche Vorsprünge, die humeralen Lappen oder Pteromorphen, die entweder unbeweglich oder mit eigener Muskulatur ausgestattet und damit beweglich sind. Manche Arten können die Beine unter die Pteromorphen zurückziehen. (Balogh J. & S. Mahunka 1983)

Segmentierung

Körperbau der Hornmilben
Hornmilben-Grundtyp mit hypothetischer archaischer Segmentierung

Quellen

  • Balogh J. & S. Mahunka (1980): Fauna Hungariae: Acari XV. ISBN 963052290. Akadémiai Kiadó Budapest XVIII/19, 177 S.
  • Balogh J. & S. Mahunka (1983): The Soil Mites of the World I.: Primitive Oribatids of the Palaearctic Region. Akadémiai Kiadó, Budapest. ISBN 963-05-2978-5, 372 S.
  • Woolley T. A. (1988): Acarology - Mites and Human Welfare. John Wiley and Sons. ISBN 0-471-04168-8, 484 S.