Eresus kollari

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Eresus kollari Rossi, 1846
Rote Röhrenspinne
Eresuskollari schäfer.jpg
Männchen
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Familie: Eresidae (Röhrenspinnen)
Gattung: Eresus
Reifezeit
Monat:123456789101112
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Verbreitung in Europa[Quellen]
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spidersp:041642
Gefährdung nach Roter Liste
RegionBSLTKTRFRRL
[CZ] Karpaten CR
[CZ] Tschechien *
[D] BW 3
[D] Bayern SL 1
[D] Berlin 0
[D] Brandenburg 2
[D] MVss== F3
[D] Niedersachsen 2
[D] Niedersachsen (T) 2
[D] Sachsen 2
[D] Sachsen-Anhalt 3
[GB] Großbritannien EN
[HU] Karpaten *
[PL] Karpaten *
[RO] Karpaten *
[SK] Karpaten CR
[UA] Karpaten *

syn. Eresus niger, syn. Eresus cinnaberinus

Die Art ist nach der Bundesartenschutzverordnung in Deutschland besonders geschützt (Bundesministerium der Justiz 2005).

Merkmale

Körperlänge: Weibchen erreichen 8 bis 16 mm, Männchen 6 bis 11 mm (Roberts M. J. 1995).

Cribellate Art. Die Weibchen sind durchweg dunkel gezeichnet, die Männchen rot mit vier weiß gerandeten schwarzen Tupfen. Diese Färbung besitzen sie allerdings nur im Adultzustand. In den früheren Entwicklungstadien haben die Männchen die gleiche unscheinbare Erscheinung wie die Weibchen.

Männchen

Die adulten Männchen haben proximal rot und distal schwarz gefärbte Hinterbeine.

Ähnliche Arten

Eresus kollari unterscheidet sich von Eresus sandaliatus und Eresus moravicus, den beiden anderen mitteleuropäischen Arten (Řezáč M. et al. 2008).

Verbreitung

Von Mitteleuropa bis Zentralasien (World Spider Catalog Association 2015).

Lebenraum

Wie Atypus siedelt auch Eresus in Kolonien. Dazu wählen die Spinnen sich entweder einen sandigen, warmen Boden oder nach Süden gerichtete Hänge aus. In der Nähe von Heidekraut oder Borstengras usw. bestandenen Orten werden Stellen mit offenem Pflanzenbestand bevorzugt. Hier werden wiederum die Plätze mit stärkerer Besonnung und einem gewissen Windschutz benutzt. (Wiehle H. 1953)

Reifezeit

Im Gegensatz zur Schwesterart Eresus sandaliatus gehen die Männchen von Eresus kollari im Herbst (Juli bis Oktober (Nentwig W. et al. 2012)) auf Partnersuche und sind dann frei am Boden laufend zu finden.

Lebensweise

Netzbau

In ihrem Lebensraum bewohnen die Spinnen schräg ins Erdreich führende, mit Spinnseide ausgekleidete und etwa fingerdicke Röhren von 5-10 cm Länge. Außerhalb davon legt Eresus kollari ein kleines, den Boden bedeckendes Gespinst an, von dem aus einzelne, cribellate Fangfäden in alle Richtungen verlaufen. Die Art überwältigt mithilfe ihres Fangnetzes auch recht große und wehrhafte Insekten wie Laufkäfer und Bockkäfer. (Bellmann H. 2001) (Roberts M. J. 1995)

Paarung und Brutpflege

Nachdem das Männchen ein geschlechtsreifes Weibchen in dessen Gespinst aufgespürt hat, lebt es noch einige Zeit mit diesem in dessen Röhre und frisst auch gemeinsam an Nahrung. Während dieser Periode finden immer wieder Paarungen statt. Nach einigen Wochen baut das Weibchen einen linsenförmigen Eikokon, welcher von ihm im nun verschlossenen Gespinst bewacht wird. Die Jungtiere werden nach dem Schlupf vom Weibchen gefüttert. Anschließend dient die Mutter selbst als Nahrung und wird von den eigenen Jungen ausgesaugt. Zuvor hat sich ihr Inneres durch vermehrt produzierte Verdauungsenzyme verflüssigt. (Bellmann H. 2001)

Bilder

Weblinks

Nachweis- und Verbreitungskarten

Weitere Links

Empfohlene Literatur

  • Ratschker U. M. & H. Bellmann (1995): Untersuchungen zur Taxonomie und Verbreitung von Eresus cinnaberinus (Olivier, 1789) (Araneae, Eresidae). Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie 9 (4-6), S. 807–811.

Quellen

  • Bellmann H. (2001): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Frankh-Kosmos Verlag. ISBN 3-440-09071-X, 304 S.
  • Bundesministerium der Justiz [Hrsg.] (2005): Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung - BArtSchV).
  • Nentwig W., T. Blick, D. Gloor, A. Hänggi & C. Kropf (2012): Araneae, Spinnen Europas (Bestimmungsschlüssel). Universität Bern.
  • Ratschker U. M. & H. Bellmann (1995): Untersuchungen zur Taxonomie und Verbreitung von Eresus cinnaberinus (Olivier, 1789) (Araneae, Eresidae). Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie 9 (4-6), S. 807–811.
  • Roberts M. J. (1995): Collins Field Guide. Spiders of Britain & Northern Europe. HarperCollins Publishers Ltd.. ISBN 0-00-219981-5, 383 S.
  • Wiehle H. (1953): Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile, 42. Teil Spinnentiere oder Arachnoidea (Araneae) IX: Orthognatha - Cribellatae - Haplogynae Entelegynae. VEB Gustav Fischer Verlag, 150 S.
  • World Spider Catalog Association [Koord.] (2015): World Spider Catalog. Natural History Museum Bern, online auf http://wsc.nmbe.ch , Version 16.5, abgerufen am 2015-09-25.
  • Řezáč M., S. Pekár & J. Johannesen (2008): Taxonomic review and phylogenetic analysis of central European Eresus species (Araneae: Eresidae). The Norwegian Academy of Science and Letters. Zoologica Scripta 37 (3), S. 263–287, doi:10.1111/j.1463-6409.2008.00328.x.

Quellen der Nachweise