Hausspinnen

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Zahlreiche Spinnenarten werden gelegentlich in und an Häusern gefunden, aber nur wenige Arten sind charakteristisch für diesen Lebensraum. Die Artenzusammensetzung hängt von der geographischen Lage und den Lebensräumen in der näheren Umgebung ab. Die Liste synanthroper Arten gibt einen umfangreichen Überblick. Hier werden die Hausspinnen in Anlehnung an (Bristowe W. S. 1929) nach dem Grad ihrer Bindung an menschliche Behausungen in Echte Hausspinnen, gelegentliche Hausgäste, Kellerspinnen und Gewächshausspezialisten eingeteilt, wobei die Übergänge der Kategorien fließend sind.

Man unterscheidet eusynanthrope, also ausschließĺich im Umfeld menschlicher Bauten stabile Populationen bildende Tiere von hemisynanthropen Arten, welche auch im Freiland stabile Populationen bilden. (Reinke H.-D. 1997)

Echte Hausspinnen

Wenige Arten können sich in der trockenen und relativ dunklen Umgebung in Häusern dauerhaft etablieren und fortpflanzen. Dabei ist die Luftfeuchtigkeit der wichtigste limitierende Faktor, und feuchtere Wohnungen haben im Allgemeinen eine vielfältigere Spinnenfauna (Bristowe W. S. 1929). Viele der echten Hausspinnen stammen ursprünglich aus südlicheren Ländern und erreichen in Mitteleuropa ihre nördliche Verbreitungsgrenze; in günstigeren Lebensräumen werden sie alle auch im Freiland gefunden.

Gelegentliche Hausgäste und Fassadenspinnen

Eine große Zahl Spinnenarten nutzt das mildere Mikroklima an Hauswänden, Fensterrahmen und begrünten Fassaden und wandert von dort regelmäßig in Wohnungen ein. Viele dieser Arten sind im Freiland Bewohner von Felsspalten und Baumrinde.

Kellerspinnen

Dunkle, feuchte, ungeheizte Keller bieten nicht nur den echten Hausspinnen, sondern auch einer speziellen Spinnenfauna Unterkunft, die im Freiland meist auf Höhlen spezialisiert ist und höhere Luftfeuchtigkeit benötigt.

Gewächshausspezialisten

Gewächshäuser und Baumärkte bieten oft exotischen Arten wärmerer Länder einen ersten Lebensraum, von dem aus sie auch in unbeheizte Gebäude vordringen können. Ein klassisches Beispiel ist Parasteatoda tepidariorum (Fam. Theridiidae), die in Mitteleuropa ursprünglich ausschließlich in Gewächshäusern gefunden wurde, inzwischen aber viel weiter verbreitet ist, wenn sie auch noch stets nahe bei menschlichen Behausungen gefunden wird.


Parasteatoda tepidariorum ist auch regelmäßig an Gebäuden anzutreffen. Psilochorus simoni wurde auch schon in Kellern gefunden.

Sonstige synanthrope Arten

Auch außerhalb menschlicher Wohnungen sind zahlreiche Spinnenarten mit menschlichen Aktivitäten assoziiert. Einige Beispiele: Thanatus vulgaris (Fam. Philodromidae) und Nesticodes rufipes (Fam. Theridiidae) werden in Zoohandlungen in Futtertierzuchten gefunden; Ostearius melanopygius (Fam. Linyphiidae) tritt oft in Massen auf Komposthaufen und Müllkippen auf; Larinioides ixobolus und Larinioides sclopetarius (Fam. Araneidae) sind regelmäßig an Brückengeländern zu finden; und Leptorhoptrum robustum und andere Arten der Zwergspinnen können in den Filterbetten von Kläranlagen in spektakulärer Anzahl auftreten (Duffey E. 1998).

Quellen

  • Bristowe W. S. (1929): The Distribution and Dispersal of Spiders. Proc. Zool. Soc. XLIII(4), S. 633–657.
  • Duffey E. (1998): Aerial dispersal in spiders. Proceedings of the 17th European Colloquium of Arachnology, Edinburgh 1997, S. 187–191.
  • Reinke H.-D. (1997): Haus- und Stallspinnen (Araneae) eines ländlichen Wohnbereichs bei Kiel. Faun.-Ökol. Mitt. 7, S. 173–196, ISSN 0430-1285.