Theridiidae

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Theridiidae Sundevall, 1833
Kugelspinnen
Platnickina tincta f.JPG
Platnickina tincta
Systematik
Ordnung: Araneae (Webspinnen)
Weitere Informationen
LSID WSC: urn:lsid:nmbe.ch:spiderfam:0099

Die Theridiidae bilden eine große Familie, welche weltweit 119 Gattungen mit insgesamt 2324 Arten umfasst (World Spider Catalog Association 2015) (Stand August 2011).

Kugelspinnen nannte man früher auch Büschelnetzspinnen (Dahl F. 1910). Ebenso ist der Name „Haubennetzspinnen” gebräuchlich.

Merkmale

Die Körperlänge der meisten europäischen Arten liegt unter 5 mm. Einige wenige Gattungen beherbergen aber auch Arten, die wesentlich größer werden. So erreichen Weibchen der im Mittelmeergebiet verbreiteten Steatoda paykulliana bis zu 13 mm, die berüchtigte schwarze Witwe Latrodectus tredecimguttatus sogar 15 mm Körperlänge.

Das Prosoma ist rundlich und normalerweise wesentlich kleiner als der Hinterleib. Die Chelizeren sind klein und verhältnismäßig schwach. Sie können bezahnt (z.B. Steatoda) oder unbezahnt und glatt (z.B. Latrodectus) sein. Bei einigen Arten bilden die Männchen übergroße Chelizeren aus, z.B. bei der Gatttung Enoplognatha. Die acht Augen sind in zwei Reihen angeordnet, wobei sich die äußeren Augen beider Reihen berühren (siehe Foto) (Jocqué R. & A. Dippenaar-Schoeman 2007). Die Augenstellung ist allerdings kein Unterscheidungsmerkmal zur Abgrenzung von anderen Familien.

Der männliche Pedipalpus hat kein oder nur ein sehr kleines Paracymbium.

Im Regelfall ist das Opisthosoma kugelförmig und kann, je nach Ernährungszustand, stark im Umfang variieren. Es gibt aber auch Ausnahmen mit mehr oder weniger eckigen Hinterleibsformen, beispielsweise Episinus angulatus oder die interessante kleptoparastische Diebsspinne Argyrodes argyrodes. Manche Männchen besitzen am Übergangsbereich von Pro- zu Opisthosoma Stridulationsorgane, mit denen Geräusche erzeugt werden können.

Die mittellangen bis sehr langen und meist dünnen Beine tragen drei Tarsalklauen. Das vordere Beinpaar ist oftmals verlängert, Scopulapolster sind nicht vorhanden. Die Tarsen von Beinpaar IV tragen unterseits eine Reihe von kammartig gezähnter Borsten (ebenfalls vorhanden bei den Nesticidae) (Nentwig W. et al. 2012). In der Regel findet man nur wenige bis keine Stacheln auf den Beinen, jedoch ist oftmals eine feine Behaarung ausgeprägt. Viele Arten sind sehr stark an das Leben in Netzen angepasst und wirken außerhalb ihres Gespinstes, vor allem auf glatten Oberflächen, recht ungeschickt.

Farbe und Muster sind innerhalb der Theridiidae sehr variabel. Einige Arten sind äußerst kontrastreich gefärbt, z.B. Parasteatoda lunata oder Platnickina tincta, und gehören sicherlich zu den buntesten europäischen Spinnen. Andere wiederum, wie die Gattung Robertus, sind einheitlich braun gefärbt. Bei Arten aus dem Verwandschaftskreis der Gattung Theridion findet sich meist ein gezacktes Längsband auf dem Opisthosoma.

Lebensraum

Kugelspinnen können beinahe in jedem Lebensraum gefunden werden. Im synanthropen Bereich sind sie vor allem mit den Gattungen Steatoda und Parasteatoda vertreten, die gleich mit mehreren Arten in den menschlichen Siedlungsbereich vorgedrungen sind. Auf Wiesen kann man oftmals die Haubennetze der Gattungen Phylloneta oder Enoplognatha finden. Selbst einzelne Blätter dienen manchen Arten als Lebensraum. So webt die winzige Paidiscura pallens ihr feines Netz gerne an der Unterseite von Eichenblättern.

Lebensweise

Netzbau und Beutefang

Im Grunde kann man zwei Typen von Netzen innerhalb der Theridiidae unterscheiden.

Vertreter aus dem Verwandschaftskreis der Gattung Theridion bauen ein Haubennetz. Dabei überziehen sie die oberen Bereiche von krautigen Pflanzen oder Ästen mit einem Gewirr von Fäden, in welches einzelne klebende Fangfäden eingeflochten sind.

Verschiedene Gattungen, darunter Steatoda und Parasteatoda, weben ein unordentliches Deckennetz aus Strukturfäden in Ecken und Winkeln, von dem aus Fangfäden nach unten verlaufen. Diese sind im unteren Bereich mit Klebetropfen versehen und dienen vor allem dazu, laufende Insekten zu fangen. (Zschokke S. & S. P. Benjamin 2002)

Falls nun ein Beutetier ins Netz gelangt, eilt die Kugelspinne herbei und bewirft die Beute, vorzugsweise deren Gliedmaßen, großzügig mit weiterer Spinnseide. Nachdem die Beute weitgehend immmobilisiert ist, folgt einer oder mehrere Giftbisse. Das Gift ist sehr stark und wirkt, zumindest bei Arthropoden, sehr rasch (Locket G. H. & A. F. Millidge 1953). Einige Arten können allerdings auch den Menschen empfindlich beißen und mehr oder weniger starke Vergiftungserscheinungen herbeiführen (mehr dazu in Giftigkeit von Spinnentieren). Sobald die Beute gelähmt ist, wird sie von der Kugelspinne in ein Versteck oder einen Rückzugswinkel innerhalb des Netzes geschleppt. Dabei zeigen die Spinnen teilweise erstaunliche Leistungen. So schaffen sie es, ein Tier mit dem Vielfachen des eigenen Körpergewichts mithilfe ihrer Spinnseide anzuheben und längere Strecken durch das Netz zu befördern. Dabei wird das eingesponne Tier an einem Faden befestigt und mithilfe des hintersten Beinpaares transportiert. Die Beute wird anschließend ausgesaugt. Zurück bleibt eine eingetrocknete Außenhülle, die wiederum von der Spinne aus dem Netz entfernt wird. Manche Arten, z.B. Parasteatoda lunata, nutzen Beutetierreste zum Auskleiden ihres Versteckes innerhalb des Netzes.

Einige Arten haben den Netzbau im Verlauf ihrer Entwicklung stark reduziert. So weben z.B. Arten aus der Gattung Episinus ein H-förmiges Netz aus einigen wenigen Fäden. Euryopis flavomaculata hat den Netzbau sogar völlig aufgegeben und sich auf Ameisen als Beute spezialisiert.

Fortpflanzung

Die Weibchen werden in der Regel in ihren Netzen von den Männchen aktiv aufgesucht. Anschließend muss letzteres sich als Partner ausweisen und dem Weibchen durch bestimmte Verhaltensweisen zu erkennen geben, dass es kein Beutetier ist. Bei vielen Gattungen kommen dafür Stridulationsorgane im vorderen Bereich des Opisthosoma zum Einsatz, mit denen es hochfrequente Töne erzeugen kann (z.B. Steatoda bipunctata). Jedoch besitzen bei verschiedenen Arten auch Weibchen Stridulationsorgane. (Locket G. H. & A. F. Millidge 1953)

Nach der Paarung baut das Weibchen einen mehr oder weniger runden Eikokon (es können jedoch bei vielen Arten weitere ohne zweite oder dritte Paarung folgen), den sie oftmals im Gespinst oder in dessen Nähe befestigt. Nach der ersten, wenige Tage nach dem Schlupf erfolgenden Häutung zerstreuen sich die Jungtiere. Die Weibchen der Gattung Phylloneta beschützen ihre Nachkommen und zeigen ein sehr hochentwickeltes Brutpflegeverhalten. So füttern diese ihre Jungen nach dem Schlupf mit einem vorverdauten Nahrungsbrei, den sie nach Stimulation durch die Jungsspinnen hervorwürgen (Regurgitation). Später saugen die Jungtiere sogar zusammen mit der Mutter an Beutetieren.

Giftigkeit

Der weitaus größte Teil der Kugelspinnenarten ist für den Menschen völlig ungefährlich. Jedoch können inbesondere Abwehrbisse der Gattung Latrodectus (Schwarze Witwen) zu sehr schmerzhaften und mitunter lebensbedrohlichen Vergiftungen führen. Die Gattung gilt jedoch als relativ beißfaul und entzieht sich einer Störung eher durch Flucht, als zu beißen.

Bestimmte größere Arten der Gattung Steatoda sind dafür bekannt, milde bis mittelstarke Vergiftungserscheinungen nach einem Biss hervorrufen zu können (Bellmann H. 2006) (Jacobs S. 2002).

Kugelspinnen als Neozoen

Viele Arten der Familie wurden durch menschliche Aktivitäten verschleppt und etablierten sich schnell in der neuen Umgebung, wobei oftmals synanthrope Bereiche bevorzugt wurden. So kommt z. B. Parasteatoda tepidariorum (Gewächshausspinne) heute kosmopolitisch vor (World Spider Catalog Association 2015). Sie besiedelt vor allem beheizte Gebäude und, wie der Trivialname vermuten lässt, Gewächshäuser. Eine andere verschleppte und erst vor kurzem in Deutschland nachgewiesene Art ist Nesticodes rufipes, eine heute pantropisch verbreitete Kugelspinne, die in den letzten Jahren wiederholt in gewerblichen Heimchenzuchten auftritt (Gabriel G. 2010). Von besonderer Bedeutung sind Verschleppungen von Arten der hochgiftigen Gattung Latrodectus. So wurde Latrodectus geometricus inzwischen nach Hawaii, Australien, Südkalifornien und Japan unbeabsichtigt eingeführt und konnte sich seitdem, z. B. in Japan (Ono H. 1995), rasch in angrenzende Gebiete ausbreiten. Ursprünglich stammt sie wohl aus Südafrika. Latrodectus hasselti, eine australische Art mit starker Expansionstendenz, gelangte durch den Handel nach Neuseeland und Japan, wo sie ebenfalls Populationen bilden konnte (Garb J. E. et al. 2004). Inzwischen liegt auch eine Fundmeldung aus belgischen Gewächshäusern vor. Latrodectus mactans aus Nordamerika wurde auch einmal nach Deutschland eingeschleppt (Jäger P. 2009).


Bildbestimmung

Eine Bildübersicht vieler Gattungen Europas gibt es auf Theridiidae Bildübersicht.

Gattungen und Verbreitung

In Europa kommen nach Datenlage dieses Wikis 43 Gattungen der Familie Theridiidae vor.[A]

NameNOSEFIIEGBDKDENLBELUPLLTLVEEBYCHATCZSKHUSIAD
Achaeridion××????×???×?????××????
Anatolidion??????????????????????
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Argyrodes??????????????????????
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Crustulina×××××××××?×××××××××××?
Cryptachaea×××××××××?×××××××××××?
Dipoena×××××?×××?×??×××××××××
Enoplognatha×××××××××?××××××××××××
Episinus×××××××××?×××××××××××?
Euryopis×××××××××?×××××××××××?
Hadrotarsus????????×?????????????
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Kochiura???××?×?×????????×?×??
Lasaeola×××××××××?×××××××××××?
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Parasteatoda×××××××××?××××××××××××
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Phoroncidia???????????????×??????
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Platnickina×××××××××?××××××××××××
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Ruborridion??????????????????????
Rugathodes×××××××××?×???×××××××?
Sardinidion???××?×××?×????××××××?
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Legende/Legend
? Checkliste nicht verfügbar No checklist available
× Artvorkommen bekannt Species documented
  Checkliste enthält Art nicht Checklist consulted, but species not found

Weitere Gattungen

Weitere Gattungen, die jedoch nicht in Europa vorkommen:

Weblinks

Quellen

Quellen der Nachweise