Giftigkeit von Spinnentieren

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Obwohl das Wissen über die Spinnentiere im Allgemeinen recht fragmentarisch und von Fehlinformationen durchsetzt ist, so scheint eine Tatsache doch jedem ganz bewusst zu sein: Viele Spinnen und Skorpione sind giftig.

Giftigkeit von Spinnen (Araneae)

Im Prinzip sind alle Spinnen mehr oder weniger giftig. Sie benötigen ihr Gift zum Betäuben ihrer Beutetiere. Tatsächlich hat nur 1 Spinnenfamilie mit weltweit 262 bekannten Arten (Platnick N. I. 2012) (Uloboridae) keine Giftdrüsen. (Jocqué R. & A. Dippenaar-Schoeman 2007) (Foelix R. & B. Erb 2010)

Nach Literaturangaben sind von den über 40000 (Platnick N. I. 2012) weltweit bekannten Spinnenarten nur wenige Arten medizinisch relevant. Todesfälle durch Bisse von natürlich vorkommenden Spinnen sind in Mitteleuropa nicht bekannt.

Bisse von Spinnen sind in Mitteleuropa äußerst selten. Spinnen sehen Menschen eher als Gefahr an und meiden den direkten Kontakt. Ebenso sind Spinnen keine Nahrungskonkurrenten des Menschen und treten nicht in Schwärmen auf, so dass auch Mehrfachbisse (in Gegensatz zu Mehrfachstichen von z. B. Bienen oder Wespen) nicht vorkommen. Ebenso gibt es keine parasitisch lebenden Spinnen, so dass diese Tiergruppe auch nicht als Überträger von Krankheiten auftritt. Die Seltenheit von Spinnenbissen kombiniert mit der geringen Bisswirkung heimischer Arten macht Spinnen zu einer für den Menschen äußerst harmlosen Tiergruppe. Im Mittelmeergebiet kommen allerdings einige wenige Arten vor, deren Biss auch schwerere bis fatale Vergiftungen auslösen kann (z.B. Latrodectus tredecimguttatus).

Bei den „Giftmischungen“ der bekannten Spinnenarten herrschen die Neurotoxine (Nervengifte) vor, die die Beute möglichst rasch bewegungsunfähig machen sollen. Andere Bestandteile der Spinnengifte zerstören Gewebezellen oder auch Insektenblut. Beim Mensch ruft das Gift meist keine ernsteren Symptome als eine lokale Schwellung und Rötung hervor. Ausnahmen stellen in Europa z. B. die schon genannten Arten der echten Witwen (Latrodectus spp.) da.

Nachfolgend werden einige Arten mit medizinisch relevanter Bisswirkung genannt:

Europäische Arten

Cheiracanthium punctorium (Ammendornfinger)

Cheiracanthium punctorium ist eine in Mitteleuropa und in mediterranen Gebieten heimische Art. Bisse dieser Art sind schmerzhaft und erzeugen Symptome wie Jucken, Schwellungen, Übelkeit und leichtes Fieber. Die Symptome verschwinden nach wenigen Tagen ohne dauerhafte Nachwirkungen (Foelix R. F. 1996). Die versteckte Lebensweise dieser Art macht jedoch einen Biss relativ unwahrscheinlich.

Argyroneta aquatica (Wasserspinne)

Die ebenfalls in Mitteleuropa heimische Wasserspinne lebt äußerst versteckt in klaren stehenden Gewässern zwischen Wasserpflanzen. Desweiteren ist sie eher selten zu finden. (Staudt A. 2014) Ein Biss dieser Spinne ruft ähnliche Symptome hervor wie der von Cheiracanthium punctorium, die ebenfalls innerhalb kurzer Zeit wieder abklingen. (Foelix R. F. 1996)

Segestria florentina

Diese schwarze und sehr groß werdende, hauptsächlich im mediterranen Bereich und in England verbreitete Fischernetzspinne kann aufgrund ihrer kräftigen Chelizeren bei Störung schmerzhaft zubeißen. Der Biss kann unter Umständen systemische Wirkungen haben (dazu siehe Artartikel). Jedoch lebt sie äußerst versteckt in Felsspalten, Löchern und unter Rinde, tritt jedoch auch im synanthropen Bereich auf.

Zoropsis spinimana

Diese große, in den letzten Jahren nach Mitteleuropa einwandernde Art kommt ursprünglich im Mittelmeergebiet vor. Ihr Biss kann die Haut durchdringen und bienenstichartige Symptome auslösen (Huber S. & T. Bauer 2012). Besonders Weibchen, die ihr Eigelege bewachen, reagieren mitunter aggressiv auf Störungen.

Latrodectus tredecimguttatus (Europäische Schwarze Witwe)

Die Verwandte der Nordamerikanischen Schwarzen Witwe kommt im Mittelmeerraum vor. Ihr Gift wirkt sehr ähnlich, ebenfalls mit Schmerzen und Krämpfen, vor allem der Gesichtsmuskeln (Facies latrodectismica). Ein Hauptbestandteil ist das nach der Gattung benannte Latrotoxin. Der Biss von Latrodectus tredecimguttatus gilt als der eigentliche Auslöser des Tarantismus, der früher fälschlicherweise den großen Wolfspinnen der Gattungen Lycosa oder Hogna zugeschrieben wurde.

Die Bisse von Latrodectus tredecimguttatus sind mittlerweile sehr gut behandelbar mit einer verbleibenden Todesrate von < 1%. (Wagner et al. 1998)

Steatoda paykulliana (falsche Witwe)

Diese ebenfalls im Mittelmeerraum verbreitete Art erwies sich in Tierversuchen mit verschiedene Säugetiere als relativ giftig (dazu siehe Artartikel) (Maretic Z. et al. 1964). Falls ein Biss die Haut des Menschen durchdringen kann, soll auch dieser recht schmerzhaft sein (Bellmann H. 2006).

Eratigena agrestis

Diese mit der bekannten Hauswinkelspinne (Eratigena atrica) verwandte Art wurde von den auswandernden Siedlern nach Nordamerika eingeschleppt, wo ihr etliche medizinisch relevante Bissunfälle zugeschrieben werden und sie inzwischen als „Hobo Spider” bekannt ist. Aus Europa liegen keinerlei vergleichbaren Fälle vor. (Nentwig W. et al. 2012) Eventuell wird sie regelmäßig mit der wesentlich giftigeren und ebenfalls in Nordamerika lebenden Loxosceles reclusa verwechselt.

Steatoda nobilis

Diese invasive, inzwischen auch in Deutschland gefundene Art (Bauer T. 2011) besitzt ein großes, westlich orientiertes Verbreitungsgebiet, das sich von Madeira bis nach Großbritannien erstreckt. Aus England liegen einige Bissunfälle vor, bei denen im weiteren Verlauf verschiedene Symptome wie Schmerzen, Steifheit der betroffenen Gliedmaßen, Schwellungen und Rötungen mit je nach Patient stark variierender Heftigkeit auftraten. (Natural History Museum London 2010)

Außereuropäische Arten

Latrodectus hasselti

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Hier fehlen noch Informationen. Sie werden bei Gelegenheit noch eingetragen.

Latrodectus mactans (Nordamerikanische Schwarze Witwe)

Die Kugelspinne Latrodectus mactans ist in Nordamerika zuhause und lebt oft in der Nähe menschlicher Siedlungen. Dadurch kann es häufiger zu Bissen kommen, die zudem kaum bemerkt werden. Das relativ starke Nervengift erzeugt Schmerzen, Schwellungen und starke Krämpfe, die sogar zum Tode führen können. Mit modernen Behandlungsmethoden ist eine komplette Heilung innerhalb von Stunden möglich. Die verbleibende Todesrate liegt bei etwa 1%. (Foelix R. F. 1996)

Gelegentlich wird sie mit Importgut aus den USA eingeschleppt.

Atrax robustus & Hadronyche formidabilis (Australische Trichternetzspinnen)

Diese schwarz behaarten, mygalomorphen Spinnen mit 15-45 mm Körperlänge gehören zur Familie Hexathelidae, in der auch die in Südeuropa vorkommende Macrothele calpeiana zu finden ist. Das Gift dieser beiden australischen Gattungen enthält vor allem neurotoxische Bestandteile. Zudem sind die im Sommer umherwandernden Männchen giftiger und aggressiver als die Weibchen.

Das Gift besteht aus Peptiden in drei Hauptkomponentengruppen. Die sogenannten Delta-Atracotoxine sind für den zweiphasigen Vergiftungsverlauf beim Menschen verantwortlich, der für Primaten typisch ist und der ohne Hilfe schlussendlich zum Tod durch Stimmritzenkrampf, Atemstillstand oder ein Lungenödem führen kann.

Ein wirkungsvolles Gegengift ist seit 1981 erhältlich. (Diaz J.H. 2004)

Phoneutria ssp. (Brasilianische Wanderspinnen)

Diese großen araneomorphen Spinnen mit 80–95 mm Spannweite kommen in Südamerika vor und sind nachtaktiv. Die dort am häufigsten gefundene Art ist Phoneutria nigriventer. Sie sind recht aggressiv und besitzen ein äußerst wirksames Gift mit neurotoxischen Komponenten. Ein Biss hat oftmals schwerwiegende Folgen und kann, wenn auch selten, tödlich sein. Die Symptome der Vergiftungserscheinung sind unterschiedlich und reichen von Schmerzen, die von der gebissenen Extremität in den Körper ausstrahlen bis hin zu Bluthochdruck, Temperaturabfall und Herzrasen. Aufgrund der geringeren Körpermasse sind vor allem Kinder durch einen Biss gefährdet. Inzwischen existiert auch ein Gegengift, welches aber nur bei schwerwiegenden Verläufen Anwendung findet. (Diaz J.H. 2004)

Mitunter wird die Gattung auch in Bananenkisten eingeschleppt, da sie in Südamerika auch in Bananenplantagen vorkommt. (Jäger P. & T. Blick 2009)

Loxosceles reclusa

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Hier fehlen noch Informationen. Sie werden bei Gelegenheit noch eingetragen.

Weblinks

Quellen